Vom 13. bis 20. Februar fand in Graz im Hotel Novapark das Internationale Schach-Open 2015 in den Klassen A, B und C statt. Ich nahm zum ersten Mal an dem hochkarätig besetzten A-Turnier teil. Außer am Sonntag fand an jedem Tag nur eine Runde statt, so dass noch genug Zeit für eine Führung durch die Grazer Altstadt bzw. Erholung und Entspannung blieb.

Meine Ergebnisse:

Rd. Br. Snr Name Elo FED Pkt. Erg. K rtg+/-
1 56 56 FM Neuschmied Siegfried 2249 AUT 4.5 s 0 40 -4.80
2 56 85 Suta Andraz 2109 SLO 4.0 w 1 40 30.00
3 38 65 Kravanja Georg 2196 AUT 4.5 s ½ 40 13.60
4 35 62 WGM Semenova Irina 2215 RUS 4.5 w ½ 40 14.00
5 39 52 Taylor Adam C 2278 ENG 4.5 s 0 40 -4.00
6 44 83 Stagl Marco 2115 AUT 4.5 w 0 40 -9.60
7 53 105 Teuschler Hugo Mag. 2017 AUT 3.5 s 0 40 -14.40
8 54 109 Stanivukovic Drago 1997 AUT 2.5 s 1 40 24.40
9 48 73 Maj Kornel 2161 POL 3.5 w 0 40 -7.60

Fazit: In Graz gelang mir meine bisher beste Turnierleistung. Gegen Gegner aus fünf Ländern (mit 2151 bisher höchster Gegnerschnitt überhaupt) konnte ich mich gut behaupten. Die Niederlage in Runde 6 war unnötig, dennoch lag ich mit 3 Punkten über meiner Gewinnerwartung und konnte somit ein schönes DWZ-Plus von 36 Punkten und ein Elo-Plus von 42 Punkten erreichen. Damit gibt es bei DWZ und Elo in Kürze neue Höchststände.

Mit dem Unentschieden gegen die weibliche Großmeisterin Irina Semenova (Russland) gelang mir auch mein bisher bestes Einzelergebnis. Der Setzlistenplatz verbesserte sich um 17 Plätze. Gut war auch, dass ich hier auf sehr starke Jugendliche traf wie z.B. Sloweniens Nr. 6 der Altersklasse U18 nach Elo (diese Partie gewann ich), Polens Nr. 4 der U16 nach Elo und Englands Nr. 2 der Altersklasse U18 nach Elo.

Zu den einzelnen Runden:

Runde 1:

Nach  der Eröffnung gelangte ich in eine schwierig zu spielende Stellung, die objektiv noch ausgeglichen, aber praktisch für mich etwas zu passiv war. Ich fand nicht den richtigen Plan, die sich langsam, aber kontinuierlich entwickelnde Initiative meines Gegners mit Gegenspiel zu beantworten. Deshalb konnte mein Gegner seinen positionellen Vorteil Schritt für Schritt ausbauen, bis die Stellung leider nicht mehr zu halten war.

Runde 2:

Im Mittelspiel entstand eine sehr scharfe Stellung, in der ich meinen Gegner mit einem Läuferopfer aus der Fassung brachte. Bei Annahme des Opfers wäre die Partie remis durch Dauerschach ausgegangen. Mein Gegner wollte jedoch gewinnen und fand nicht die richtige Abwicklung. Dadurch entstand ein Endspiel mit Dame gegen Läufer und Turm, das für Schwarz nicht mehr zu verteidigen war.

Runde 3: Ich kam sehr gut aus der Eröffnung und erreichte im Mittelspiel eine vorteilhafte Stellung. Da die Position jedoch sehr unübersichtlich war, konnte ich den Vorteil nicht verwerten und nahm ein Remisangebot meines Gegners an.

Runde 4: Ich gelangte mit einem Mehrbauern ins Mittelspiel, für den meine Gegnerin aber ausreichende Kompensation durch Aktivität hatte. Ich konnte die Stellung jedoch gut verteidigen und die Initiative meiner Gegnerin deutlich reduzieren. Am Ende hatte meine Gegnerin nicht mehr viel Zeit und übersah eine taktische Möglichkeit, so dass ich durch dreifache Stellungswiederholung Remis erreichen konnte.

Runde 5: Ich entschied mich gegen einen sehr starken Jugendlichen mit fast 2300 gegen einen Damenabtausch. Damit hätte ich die gegnerische Aktivität eingeschränkt und die Stellung wäre intakt geblieben. So aber konnte mein Gegner seine positionelle Überlegenheit ausnutzen und seine Stellung immer weiter verstärken, ich konnte keine Initiative erlangen und mein Gegner gewann verdient.

Runde 6: Mein Gegner spielte im 13. Zug eine fehlerhafte Kombination, die bei richtiger Verteidigung für mich sofort zum Sieg geführt hätte. Leider fand ich die relativ einfache Antwort an diesem Tag nicht. Die Stellung blieb zwar im Gleichgewicht, doch verpasste ich damit den sofortigen Gewinn. In der weiteren Folge opferte mein Gegner eine Qualität für zwei starke Freibauern, doch auch das wäre zu verteidigen gewesen, wenn ich die Qualität sofort genommen hätte anstatt einen anderen Plan zu wählen, der meine Stellung verschlechterte. Die Qualität bekam ich dann zwar trotzdem, jedoch mit erheblichem Positionsgewinn für meinen Gegner, was in der Folge zum unnötigen Partieverlust führte.

Runde 7: In einer ruhigen Stellung versuchte ich zu früh, die Stellung zu öffnen und Angriff zu bekommen. Dies gelang nicht und mein Gegner bekam positionellen Vorteil, der ihm am Ende zum Gewinn genügte.

Runde 8: Ich kam gut aus der Eröffnung und erreichte klaren Stellungsvorteil. Aufgrund mehrerer taktischer Drohungen musste mein Gegner schnell die Qualität geben und konnte seine Stellung nicht mehr verbessern. Das Endspiel mit Königsangriff konnte ich dann leicht gewinnen.

Runde 9: Nach der Eröffnung gelangte ich in eine etwas schlechtere Stellung, in der das gegnerische Läuferpaar zu stark war. In einer komplizierten Stellung verpasste ich eine gute Chance auf Gegenspiel, wonach die Stellung verloren war und im Endspiel nicht mehr gehalten werden konnte.

Turniersaal Graz 2015 Runde 2

Turniersaal Graz 2015 Runde 2



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  1. […] Adrian Wichmann Johannes Mann und Adrian Wichmann haben Faschingsferien, aber zum Ausruhen kommen unsere U20-Bayernliga-Spieler nicht. Im sonnigen Graz sitzen sie vor ihren Brettern beim Internationalen Open. Mit 126 Teilnehmern aus aller Welt, darunter zwölf Großmeister und Österreichs Nummer Eins, GM Markus Ragger, ist das A-Turnier sehr gut besetzt. Für unser Duo wird es in der Steiermark ein hartes Stück Arbeit, sich da zu behaupten. Wünschen wir ihnen Erfolg und hochklassige Partien! Und zwischendurch gibt es dann Wasserstandsmeldungen aus Österreich… Herzlichen Dank an Jörg Wichmann für das Foto und das kurze Video, das zeigt, mit welcher "Fanfare" die Spieler zu den Brettern gerufen werden. Jetzt mit Kurzberichten zur 9. Runde: Turnierseite Video mit Intro Adrians Blog […]

  2. […] Adrian Wichmann Johannes Mann und Adrian Wichmann haben Faschingsferien, aber zum Ausruhen kommen unsere U20-Bayernliga-Spieler nicht. Im sonnigen Graz sitzen sie vor ihren Brettern beim Internationalen Open. Mit 126 Teilnehmern aus aller Welt, darunter zwölf Großmeister und Österreichs Nummer Eins, GM Markus Ragger, ist das A-Turnier sehr gut besetzt. Für unser Duo wird es in der Steiermark ein hartes Stück Arbeit, sich da zu behaupten. Wünschen wir ihnen Erfolg und hochklassige Partien! Und zwischendurch gibt es dann Wasserstandsmeldungen aus Österreich… Herzlichen Dank an Jörg Wichmann für das Foto und das kurze Video, das zeigt, mit welcher "Fanfare" die Spieler zu den Brettern gerufen werden. Für Johannes Mann sah es zur Halbzeit nach mehr als 4,0 Punkten und Rang 82 aus, aber drei Niederlagen in Folge ließen auch das zwischenzeitlich ordentliche ELO-Plus in ein kleines Minus kippen. Adrian Wichmann hingegen war mit seinen 3,0 Punkten und Platz 103, sowie einem deutlichen ELO-Zuwachs sehr zufrieden. Jetzt mit allen Kurzberichten und einem Fazit: Turnierseite Video mit Intro Adrians Blog […]

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