Nachdem ich beim Open in Bad Ragaz genügend Punkte sammeln konnte, um das erste Mal in Wunsiedel im Meisterturnier starten zu dürfen, ging dieses hochkarätige Turnier nun am heutigen Sonntag nach sieben Runden zu Ende. Im Meisterturnier spielten von meinem Verein SC Forchheim außerdem Bundesligaspieler FM Alexander Seyb und der amtierende bayerische Meister der Altersklasse U18, Florian Ott, mit. Im Amateurturnier war Robert Schütz für unseren Schachclub am Start.

Zu meinen Partien:

In der 1. Runde spielte ich mit Schwarz gegen Tilman Barthel (USV TU Dresden, ELO/DWZ 2084/1900). Mein Gegner kam mit leichtem Vorteil aus der Eröffnung und verfügte über einen starken Zentralspringer. Diesen tauschte er jedoch selbst ab, so dass er keinen Vorteil mehr auf seiner Seite hatte. Ich übersah eine gute Möglichkeit, Vorteil und Initiative zu erlangen und nach Damentausch ergab sich ein ausgeglichenes Turmendspiel, in dem keine Seite Gewinnchancen sah, somit endete die Partie Remis.

In Runde 2 traf ich mit Weiß auf den Niederländer Martin Bottema (ELO 2100). Nach der Eröffnung hatte ich eine schlechtere Bauernstruktur. Im Schwerfigurenendspiel opferte ich einen Bauern, um die Türme tauschen zu können und in ein Damenendspiel zu gelangen, in dem ich mit meiner Bauernstruktur bessere Chancen für mich sah als in einem Turmendspiel. Obwohl das Bauernopfer anscheinend nicht korrekt war, ging der Plan auf, da mein Gegner eine Dauerschachmöglichkeit übersah und dem Remis somit nicht entgehen konnte.

Das Schweizer System loste mir dann  in Runde 3 Stephan Brem (SU Ebersberg-Grafing, 2090/2052 zu). Mein Gegner spielte eine ungewöhnliche Eröffnung und bekam einen kleinen Vorteil. Ich öffnete die Stellung zu früh, was meinem Gegner einen entscheidenden positionellen Vorteil einbrachte, den er Schritt für Schritt verstärken konnte und dann verdient gewannt. Dieser Gegner spielte nach meinem Gefühl am stärksten von allen meinen Kontrahenten.

In Runde 4 hatte ich Weiß und spielte gegen Michael Braun vom mittelfränkischen Klub SG Büchenbach/Roth (1975/2010). Im Endspiel verlor ich nach einer Fesselung einen Bauern und landete in einem Turmendspiel mit einem Minusbauern, in dem mein Gegner auch noch einen Freibauern auf der a-Linie hatte. Zu meinem Glück konnte er diesen Vorteil wegen fehlender Endspielkenntnisse nicht ausnutzen. Mein aktiver Turm konnte einerseits die Bauernverwandlung verhindern und andererseits den gegnerischen König auf Distanz halten. Wir befanden uns bereits in einer theoretischen Remisstellung, mein Gegner opferte noch einen Bauern, was aber an der Stellung nichts änderte, das Remis war unausweichlich.

In der 5. Runde traf ich mit Schwarz auf Timo Sturm vom SV Germania Cadenberge (2036/1999). Im Mittelspiel dachte mein Gegner längere Zeit über ein doppeltes Figurenopfer nach und streckte die Hand schon aus, um den Zug auszuführen, besann sich jedoch im letzten Moment zu seinem Glück eines Besseren und verzichtete auf das unkorrekte Opfer, welches ihm eine Niederlage beschert hätte. Im Damenendspiel tauschte er einen Freibauern unverständlicherweise gegen einen anderen Bauern, womit auch seine geringen Gewinnchancen dahin waren – Remis.

Runde 6: Ich spielte erneut mit Schwarz, diesmal gegen Dmitry Kostyuchenko vom Berliner Verein SC Kreuzberg (2041/2000). Mein Gegner blitzte die Eröffnung, in der er sich gut auskannte, schnell herunter, was, wie sich später herausstellte, einen besonderen Grund hatte. Im Mittelspiel erlangte er großen positionellen Vorteil, den er jedoch zum größten Teil wieder verspielte. Im 32. Zug überschritt er dann in leicht besserer Stellung die Zeit. Ausgleichende Gerechtigkeit, nachdem ich in Bad Ragaz zuletzt selbst zweimal jeweils einen halben Punkt wegen Zeitnot verlor.

Am heutigen Sonntag ging es dann in der letzten Runde mit Weiß gegen Peter Meyer vom SC Oberwinden (2085, 2058). Mein Gegner wählte einen eher zurückhaltenden Eröffnungsaufbau und überließ mir zunächst das Zentrum, um es später mit Figuren anzugreifen. Nach einem langen Turnier (am Samstag spielte ich insgesamt 7  Stunden) fehlten uns beiden im Mittelspiel die Ideen und wir einigten uns nach 20 Zügen auf Remis.

Fazit: Mein bisher bestes Turnier in DWZ- und ELO-Leistung (2017/2057), was mir neue DWZ- und ELO-Höchststände bringt  (DWZ +72, ELO +31). Ich holte mehr Punkte, als ich selbst bei meiner ersten Teilnahme am Meisterturnier erwartet hatte. Meinen Setzlistenplatz 135 konnte ich um 61 Plätze auf Platz 74 verbessern und landete somit vor vielen nominell stärkeren Gegnern.

Artikel beim SC Forchheim mit allen Ergebnissen der Forchheimer Teilnehmer

Link zur Seite des Schachfestivals Wunsiedel mit allen Ergebnissen im Meister- und Amateurturnier



Ein antwort

  1. […] FM Alexander Seyb und FM Berthold Bartsch Das verlängerte Wochenende um Christi Himmelfahrt ist für einige Forchheimer eine gute Gelegenheit, das hochkarätig besetzte 8. Wunsiedel-Open mitzuspielen. Dort hat die Zier-Familie (alles frühere SC-Mitglieder) wieder über 250 Teilnehmer in zwei Gruppen gelockt. Mit dabei im Meisterturnier (DWZ ab 1800) auch unser Bundesliga-Spieler FM Alexander Seyb (4,5 Punkte/27. Platz/ELO -9), unser Bundesliga-Neuzugang Florian Ott (3,5/60./+1), sowie erstmals Jugendspieler Adrian Wichmann (3,5/74./+31). Setzlisten-Erster ist der ehemalige Europameister und neue deutsche Nationalspieler GM Liviu-Dieter Nisipeanu. Im Amateurturnier stürzt sich Gaudi-Ersatzmann Robert Schütz (2,5/87./-15) ins Getümmel. Wir wünschen allen Forchheimern gutes Gelingen am Brett und freuen uns über die aktuelle Berichterstattung in Wort, Bild und Ton durch Schachfreund Klaus Steffan (Pegnitz). Turnierseite Bericht auf Adrians Blog […]

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