Bericht aus Norderstedt:
Vom 05.- 09. April spielten Adrian und ich auf dem stark besetzten 12. Internationalen Osteropen in Norderstedt bei Hamburg.
In der 1. Runde bekamen wir es gleich mit starken Gegnern zu tun. Adrian spielte gegen Thomas Kahlert (DWZ/ELO 2122/2225) vom SK Norderstedt, ein erfolgreicher Stammspieler der 2. Bundesliga, der SK Norderstedt ist derzeit Zweiter in der 2. Bundesliga Nord und kämpft derzeit um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Adrian kam schlechter aus der Eröffnung als sein Gegner und musste sich nach 4 Stunden im Turmendspiel mit einem Minusbauern geschlagen geben.

Jörg traf auf die weibliche Großmeisterin und dreifache Seniorenweltmeisterin Tamar Chmiadashvili aus Georgien. Die Großmeisterin spielte die Eröffnung erstaunlich passiv und kam schlecht aus der Eröffnung, bis zum 20. Zug stand ich laut Fritz-Analyse klar besser, lief jedoch dann in eine taktische Falle, als ich ihr einen Springer mit dem Turm auf der 7. Reihe gegen die Dame fesselte. Das funktionierte leider nicht, da mein König nach langer Rochade ungünstig stand, so dass die Großmeisterin den Springer einfach aus der Fesselung ziehen konnte und ihrerseits damit meine Dame angriff. Wenn ich jetzt ihre Dame geschlagen hätte, hätte sie meine Dame geschlagen – und zwar leider mit Schach und der schöne (ungedeckte) Turm auf der 7. Reihe hätte durch das Schlagen der Dame plötzlich in einer Diagonale mit dem gegnerischen Läufer gestanden, was Qualitätsverlust Turm gegen Springer bedeutet hätte, da der König aus dem Schach ziehen muss. Da ich das dann gesehen habe, habe ich gleich mit dem Turm den gedeckten Springer geschlagen, um wenigstens noch die Dame behalten zu können. Aber das hat leider dann trotzdem die Partie gekostet.

In Runde 2 spielte Adrian gegen Jürgen Pohlers (1875/1991) aus Leipzig, Teilnehmer der Blindenweltmeisterschaft 2010. Der deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund war in Norderstedt mit fünf starken Spielern vertreten und hat sich dort auf die Schacholympiade in Indien vorbereitet. Die blinden und sehschwachen Spieler spielten dabei jeweils mit einem kleinen Hilfsbrett, auf dem sie die Figuren abtasten konnten. Der Gegner musste die Züge jeweils akustisch wiedergeben und dann für beide Spieler auf dem großen Brett ausführen. Diese Partie verlief ausgeglichen und endete in einem Endspiel mit gleichfarbigen Läufern und gleichen Bauern, was Adrian dann problemlos remis halten konnte.

Ich traf in Runde 2 auf den Schweden Alexis Duenas (1942). Duenas eröffnete mit d4 und ich wählte nach d5 und c4 die Slawische Verteidigung. Es gelang mir, die Stellung dauerhaft ausgeglichen zu halten und so endete diese Partie nach 34 Zügen in festgefahrener Stellung im Remis durch Zugwiederholung, mein bisher bestes Einzelergebnis in einer Wertungspartie.

Runde 3 brachte dann für Adrian den gleichen schwedischen Gegner. Adrian verlor irgendwann einen Bauern, konnte diesen dann aber während eines starken gegnerischen Angriffs wieder zurückgewinnen. Er musste sich lange verteidigen, konnte dann aber irgendwann den sehr gut platzieren gegnerischen Springer abtauschen und rettete sich mit einer kleinen taktischen Finesse und anschließendem Dauerschach ins Remis.

Ich bekam in der 3. Runde meinen bisher stärksten Gegner überhaupt, Hannes Leisner aus Greifswald (2200/2200). Leider musste ich im Mittelspiel einen Zentralbauern opfern, um einen starken Angriff abzuwehren, an dem u.a. ein Fianchettoläufer beteiligt war. Nach diversen Abtauschen gelangte ich somit dann in ein Endspiel Dame und Läufer gegen Dame und Läufer bei einem Minusbauern. Durch die aktive Stellung meiner Dame bot dieses Endspiel jedoch gute Remischancen, da ständig eine Fesselung des gegnerischen Läufers sowie das Eindringen der Dame drohten. Nach vier Stunden ließ ich jedoch leider ein Tempo aus, was zu einem Mattangriff führte, der die Partie kostete.

Nun kam Runde 4. Adrian wurde Martin Fenner (1944, 2027) aus dem nordrhein-westfälischen Tönsberg-Oerlinghausen zugelost. Adrians Turm und Läufer standen zu passiv, was dem Gegner einen guten Angriff ermöglichte. In der Folge verlor Adrian einen Bauern, der Gegner erhielt im Damenendspiel hingegen einen Freibauern und konnte die Dame durch ein Schach zwangsabtauschen. Im Bauernendspiel hatte der Gegner dann die besseren Tempi für sich und Adrians gedeckter Freibauern war gegen zwei gegnerischen Freibauern und den König zu langsam – 0:1.

Ich bekam in der 4. Runde den Berliner Jugendmeister Richard Pixa (geboren 1997, DWZ/ELO 1959, 1847). Da mein Gegner Französisch wählte, ging ich davon aus, dass er die Theorie dieser Eröffnung beherrschte und wählte die Abtauschvariante, woraus sich eine materiell und positionell völlig ausgeglichene Partie ergab. Der bei dieser Partie kiebitzende mehrfache deutsche Einzel- und Mannschaftsmeister Leonid Sawlin war nach Partieende erstaunt, wie Pixa diese Partie noch gewinnen konnte. Selbst die spätere Computeranalyse ließ nicht erkennen, wo genau diese Partie kippte. Sie endete auf jeden Fall in einem Bauernendspiel mit oppositioneller Königsstellung, wobei ich die Opposition leider irgendwann zu meinen Ungunsten verlor, da mein Gegner mehr Wartezüge mit seinen Bauern hatte. Bei der anschließenden Tempoberechnung sah ich, dass mein Gegner im Endspiel schneller war und gab daher auf.

Weiter ging es mit Runde 5. Adrian traf auf den ELO-losen Dänen Ivan Lichtenberg, der jedoch wesentlich stärker spielte, als es seine Ergebnisse und seine ELO-Absenz ahnen ließen. Dennoch gewann Adrian durch eine mehrzügige Gabel mit Ausschalten der Verteidigung die Qualität und in der Folge die Partie, sein Gegner gab in verlorener Stellung auf, da er auch den Verlust seines Springers befürchtete.

Ich musste in Runde 5 mit Schwarz gegen den Jugendspieler Anton Schellin (DWZ 1320) aus Hamburg spielen. Ich wählte die Französische Verteidigung, mein Gegner kannte die Theorie leider bestens. Dann unterlief mir auch noch ein Konzentrationsfehler, in der Vorstoßvariante spielte ich verfrüht Sf5, obwohl mein Gegner durch diesen Zug durch Abtausch mit dem Läufer meine Bauernstruktur zerstören konnte. Es gibt diese Variante sogar in der Theorie, jedoch fehlten mir hierzu die Kenntnisse, mein Gegner konnte einen isolierten Bauern mehrfach angreifen und anstatt den Bauern aufzugeben und anderswo Gegenspiel zu suchen, verwand ich zu viele Kräfte auf die Verteidigung des Bauern, wodurch außerdem meine Figuren eine sehr eingeengte Stellung bekamen, was irgendwann zum Verlust der Qualität und der Partie führte. Mein Gegner hat das jedoch gut gespielt, er war stärker als seine Zahl und gewann bei diesem Turnier folgerichtig reichlich DWZ-Punkte.

Runde 6 am Ostersonntag brachte für Adrian den vereinslosen, aber sehr erfahrenen Karsten Bodzyn (1760/1912). Adrian verlor nach Turmverdoppelung auf einer offenen Linie die Dame gegen den Turm, da einer der Türme mit Schach auf die 7. Reihe eindringen konnte, auf die sich zu diesem Zeitpunkt leider Adrians Dame verirrt hatte… Aufgabe und 0:1.

Ich bekam in Runde 6 nun Alexandra Klinge aus Rostock (DWZ 1253). Dieses Mal kam ich in der französischen Vorstoßvariante gut aus der Eröffnung, meine Gegnerin beging jedoch keinen Fehler, und so einigten wir uns nach nur 15 Zügen auf Remis, da wir beide gesundheitlich stark angeschlagen waren und ich nicht schon wieder verlieren wollte.

Nun kam Runde 7. Adrian spielte mit Schwarz gegen Yizheng Yuan aus Berlin (1860/1902). Die Partie endete nach kompliziertem Bauerendspiel remis, wobei jeder der Spieler auch hätte gewinnen können.

Ich wurde gegen Freja Svane aus Lübeck (DWZ 810) ausgelost. Die kleine Schwester des berühmten Rasmus Svane ist erst 7 Jahre alt und lief in eine Eröffnungsfalle, was die Partie nach 10 Zügen und 10 Minuten mit Matt zu meinen Gunsten beendete.

Runde 8: Adrians Gegner hieß nun Mika Seidel aus Hamburg-Eppendorf (1787/1865). In einer schönen Kombination konnte Adrian die Qualität gewinnen, gab die Partie jedoch leider remis. Die Analyse zeigte, dass das Endspiel klar gewonnen war.

Mein Gegner in Runde 8 hieß Soner Marcel Topuz aus Hamburg (1830/1923) und wählte das englische Vierspringerspiel als Eröffnung. Ich kam mal wieder mit einem fianchettierten Läufer nicht zurecht, was zu einer gedrückten Stellung, guten Zentralbauern und irgendwann zu einem Qualitätsverlust führte. Fianchettosysteme muss ich mir unbedingt mal anschauen.

Es fehlt noch die letzte Runde am Ostermontag. Die Ressourcen waren verbraucht und wir verloren beide, Adrian gegen Georg Zippert aus Hamburg (1778/1893). Adrian kam gut aus der Eröffnung, verteidigte sich jedoch falsch gegen den Angriff des Gegners und gab wegen eines Mattgriffs auf. Ich spielte meine schlechteste Partie des Turniers gegen den ELO-losen Ivan Lichtenberg aus Dänemark, der gefühlt alle Felder mit Bauern zustellte, was mir nicht lag. Im Endspiel konnte ich zunächst sogar einen Bauern gewinnen und einen Freibauern bilden, jedoch war der Läufer im Endspiel stärker als mein Springer, konnte meinen Freibauern blockieren und ich gab auf, als ich absah, dass der Gegner ein Tempo schneller war.

Nach 9 Runden hatte ich 2 Punkte, Adrian 3 Punkte. Adrian lag vor seinem Setzlistenplatz und gewinnt ca. 50 DWZ-Punkte und erreicht einen neuen ELO-Höchststand. Ich konnte meinen Setzlistenplatz nicht verteidigen und verliere 36 DWZ-Punkte, meine ELO bleibt gleich. Auf jeden Fall haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt, Adrian hat sich sehr gut geschlagen. Gern kommen wir wieder nach Norderstedt.






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