Doping in Bewegungssportarten ist heutzutage leider allgegenwärtig, es findet ein permanenter Wettlauf zwischen Doping-Betrügern und Doping-Wächtern statt, der Doping-Betrüger ist dem Doping-Wächter in aller Regel immer einen Schritt voraus.

Als Außenstehender könnte man meinen, im Schach als Denksportart wäre kein Dopingbetrug möglich, da es hier nicht um das „Optimieren“ von Muskelkraft geht.

Doch leider weit gefehlt. Im gleichen Maße, wie Bewegungssport durch EPO und Co. bedroht ist, wird Schach immer stärker durch einen anderen Betrug bedroht und ist dadurch bereits in seiner Existenz gefährdet: Die Miniaturisierung von Technik im allgemeinen und die massenhafte Verbreitung von Smartphones und anderen elektronischen Kommunikationsmitteln im besonderen hat im Schach zu einer existenzbedrohenden Situation geführt: Fernschach und Internetschach sind wegen vielfältiger Manipulationsmöglichkeiten bereits in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, die Deutsche Internetmeisterschaft der Jugend findet deshalb seit Jahren nicht mehr statt, da es leicht ist, in einem separaten Fenster, Browser, auf einem anderen Computer usw. ein Schachprogramm nach dem jeweils besten Zug zu befragen.

Warum wird eigentlich betrogen?

Erstens

Im Schach geht es einerseits um das Erschleichen von Preisgeldern für gute Platzierungen auf Turnieren. In manchen Ländern wie den USA können diese eine durchaus erhebliche Höhe erreichen. Der überführte Betrüger S. R. hätte beispielsweise beim Philadelphia World-Open fast einen Preis von 18000 US-Dollar bekommen, wenn er nicht vor der letzten Runde erwischt worden wäre. Im englischsprachigen Artikel von Wikipedia steht hier mehr dazu: http://en.wikipedia.org/wiki/Cheating_in_chess. Dieser Fall ist auch in der deutschsprachigen Wikipedia erwähnt: http://de.wikipedia.org/wiki/Betrugsfälle_im_Schach

Elektronische Hilfsmittel machen es den Betrügern leicht, diese Preisgelder zu erreichen. Werden sie allerdings auf frischer Tat ertappt, drohen langjährige Sperren und Prozesse. Ein solcher Betrug ist kein Kavaliersdelikt und auch strafrechtlich relevant.

Zweitens

Da Schach aus finanzieller Sicht eher ein Schattendasein führt – sieht man einmal von den besten Spielern der Welt wie Magnus Carlsen etc. ab – wird hauptsächlich für das eigene Ego betrogen sowie für das Ego von Trainern, Eltern, Betreuern etc. Die Stärke eines Schachspielers wird in einer internationalen Wertungzahl, der ELO-Zahl, gemessen. Diese Zahl ermittelt sich aus den Ergebnissen eines Schachspielers. Der aktuelle Weltmeister Magnus Carlsen hat mit 2876 die momentan welthöchste ELO-Zahl. Die niedrigsten ELO-Zahlen liegen momentan bei etwa 1000.

Wenn ein Spieler gegen einen anderen gewinnt, so erhält er hierfür ELO-Punkte und steigert damit seine ELO-Zahl. Bei einem Remis (Unentschieden) kommt es darauf an, ob der Gegner eine höhere, niedrigere oder etwa gleiche ELO-Zahl hatte. Bei einem Remis gegen einen gleichstarken Gegner bleibt die ELO unverändert. Ein Remis gegen einen stärkeren Gegner steigert die ELO-Zahl, ein Remis gegen einen schwächeren Gegner senkt die ELO-Zahl (man bekommt Minuspunkte).

Je stärker der Gegner von seiner Zahl her ist, umso mehr Punkte bekommt der Sieger gegen ihn. Im Falle einer Niederlage ist es umgekehrt.

Daher sind Spieler umsomehr von Betrügern gefährdet, je höher ihre ELO-Zahl ist, da Punkte gegen starke Gegner für Betrüger besonders attraktiv sind. Gleichzeitig darf man aber nicht vergessen, dass jeder Betrüger nicht nur seine ELO-Zahl erhöht, sondern gleichzeitig die seiner Gegner herabsetzt und auch noch deren Chancen auf Turniergewinne und Preisgeld.

Möglicherweise rechtfertigen Betrüger ihr Gewissen damit – sofern sie über ein solches verfügen – dass ja andere auch betrügen und sie somit im Nachteil sind, wenn sie nicht Gleiches tun. Der bisher noch weitaus größte Teil der ehrlichen Spieler wird damit jedoch in vielfältiger Art und Weise in erheblichem Umfang geschädigt.

Die eigene Wertungszahl ist wie ein Statussymbol. Je höher sie ist, umso mehr Anerkennung erwartet sich ein Spieler davon und bekommt sie in der Regel auch. Außerdem sind von der Höhe der Wertungszahl auch Mannschaftsaufstellungen abhängig, da die stärksten Spieler (mit der höchsten Zahl) in den besten Mannschaften spielen und innerhalb der Mannschaft das beste Brett bekommen (der stärkste Spieler spielt in der Regel an Brett 1 und bekommt dort die stärksten Gegner). Bei Jugendlichen geht es um Kaderplätze und Einsätze auf nationaler oder internationaler Ebene. Auch hier entscheidet meistens ausschließlich die Höhe der Wertungszahl über Nominierungen.

Aus all dem ergeben sich für Betrüger entsprechende Motivationen, auf Hilfsmittel und/oder Kontaktpersonen zurückzugreifen, wenn ihr eigenes schachliches Potential begrenzt ist und/oder sie zu intensivem Training einfach zu faul sind. Warum soll man es sich schwer machen, wenn es auch einen einfachen Weg gibt?

Betrug im Schach ist auf vielfältige Art und Weise möglich. Auf den weiteren Seiten werden wir uns vor allem mit der schlimmsten Bedrohung auseinandersetzen, dem elektronischen Doping durch Schachprogramme, sogenannte Engines, wie Fritz, Komodo, Stockfish, Shredder, Houdini u.a., entweder allein (Beispiel: Der Betrüger geht mit einem Smartphone auf die Toilette und gibt dort jeweils den letzten Zug des Gegners ein und lässt sich vom Schachprogamm nun den besten Zug für ihn mitteilen) oder in Kombination mit einem Komplizen, welcher sich nicht im Turniersaal aufhält, sondern in einem Nebenraum, Nebenhaus oder sonstwo. Es genügt meist ein winziger Ohrstecker als Empfänger und eine Mikrokamera, die man z.B. in entsprechenden Kugelschreibern unterbringen kann. Die Technik ist für unter 30 Dollar zu haben. Mit dem Ohrstecker empfängt man über den Komplizen die jeweils besten Züge, mit der Mikrokamera wird die jeweilige Schachstellung an den Komplizen übertragen, damit dieser die Züge des Gegners in das Schachprogramm eingeben kann. Dann wird die beste Antwort des Schachprogramms an den Betrüger übermittelt (über den Ohrstecker z.B.).

Großmeister Vladislav Tkachiev (ELO 2657) hat in einem Selbstversuch (Mai 2015) gegen einen anderen Großmeister (GM Daniil Dubov, ELO 2659 ) die Betrugsmethode eindrucksvoll vorgeführt:

How to cheat in chess

Video des Selbstversuches bei Youtube: How I became a cheater in chess

Komplizen halten sich bisher auch gern in Turniersälen auf, aber wahrscheinlich wird die FIDE diesem Treiben bald ein Ende setzen. Im Turniersaal können sie die Züge des Gegners direkt sehen, der Betrüger braucht dann keine Mikrokamera. Live-Übertragungen der Spitzenbretter sind für den Komplizen auch sehr hilfreich und durchaus üblich.

Der Betrüger wird die Partie dann leicht gewinnen, da selbst der Schachweltmeister heute keine Chance mehr gegen eine Engine hat, die Programme sind einfach zu stark. Ab und zu geben sich Betrüger auch mit Remis gegen Großmeister oder andere Spieler zufrieden, da sie mit dem Unentschieden auch genug Punkte gewinnen oder der Betrug sonst zu sehr auffällt.

Artikel bei der Deutschen Schachjugend zum Thema „Betrug im Schach“

 






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