Es gibt viele Möglichkeiten, im Schach zu betrügen, und es wird rege davon Gebrauch gemacht. Die FIDE und die nationalen Verbände tun viel zu wenig, um dieser großen Gefahr für das Schach wirkungsvoll zu begegnen, erst recht nicht, wenn es sich nicht gerade um die Schachweltmeisterschaft oder das Kandidatenturnier handelt. Im Jahre 2014 wurde eine Anti-Cheating-Kommission gegründet, deren Aktivitäten bisher sehr gering sind. Die Vorschläge in den neuesten Guidelines werden in keiner Weise auf Turnieren oder gar Mannschaftskämpfen umgesetzt. So haben Betrüger bisher sehr leichtes Spiel und gefährden nun auch Turnierschach in seiner Existenz, nachdem Fernschach und Internetschach bereits Opfer von Betrügern wurden.

Im folgenden eine Übersicht der wichtigsten Betrugsmethoden im Schach:

1. Betrug mit elektronischen Hilfsmitteln (Schachengines) – allein

Beispiel: Der Betrüger hat ein Smartphone dabei, in der Regel in der Hosentasche oder aber an einem ihm bekannten Platz versteckt. Er verlässt regelmäßig (schlechter Spieler) oder gelegentlich seinen Platz am Schachbrett, um das Versteck aufzusuchen (z.B. die Toilette oder einen anderen Platz, der nicht gut von anderen zu sehen ist). Die Eröffnung spielt er in der Regel ohne Hilfsmittel. Im entscheidenden Mittelspiel jedoch lässt er sich von einem Schachprogramm auf dem Smartphone (z.B. Shredder) den jeweils besten Zug mitteilen und ist so in der Lage, jeden Spieler der Welt zu besiegen. Das gewonnene Endspiel kann er dann häufig ebenfalls ohne Engine-Hilfe zu Ende spielen, da die vom Schachprogramm „erspielten“ Stellungen durch großen Materialvorteil oder entscheidenden Angriff so leicht zu gewinnen sind, dass ein besserer Spieler hier keine Probleme mehr hat.

Nach den neuesten Richtlinien der FIDE dürfen sich zwar keine Handys mehr im Turnierareal befinden. Aber: Erstens kontrolliert das niemand. Manche Veranstalter verkünden bei Turnierbeginn sogar noch die uralte Weisheit „Handyklingeln verliert, Geräte müssen ausgeschaltet werden“ (Beispiel: Erfurt 2014). Bei anderen Turnieren heißt es: „Handys dürfen sich nicht am Mann befinden, in der Jacke oder im Rucksack geht es jedoch, wenn diese nicht mit nach draußen genommen werden“. Beispiel: Wunsiedel 2014.

Beide Anweisungen sind völlig wirkungslos. Ein modernes Smartphone muss nicht mehr klingeln und man kann es ohne jedes Geräusch ein- oder ausschalten. Desweiteren finden keine konsequenten Durchsuchungen statt, wenn ein Spieler den Turniersaal verlässt.

Persönlich konnte man z.B. schon sehen: Laptops mit Schachstellungen im Turniersaal (!), Spieler während der laufenden Partie mit Laptop im Auto mit Schachstellung, Spieler während der laufenden Partie mit Smartphone und Schachstellung vor dem Turniersaal (Wien 2013) usw.

2. Betrug mit elektronischen Hilfsmitteln (Schachengines) – mit Partner

Diese Methode ist stark im Kommen. Laut Chessbase ist das benötigte Equipment für sehr wenig Geld zu kaufen oder zu mieten und kaum aufzuspüren.

Großmeister Vladislav Tkachiev (ELO 2657) hat in einem Selbstversuch (Mai 2015) gegen einen anderen Großmeister (GM Daniil Dubov, ELO 2659 ) die Betrugsmethode eindrucksvoll vorgeführt:

How to cheat in chess

Video des Selbstversuches bei Youtube: How I became a cheater in chess

GM Tkachiev hat lediglich zwei Stunden benötigt, um durch Internetrecherchen herauszufinden, welche Ausrüstung man benötigt und wo man sie kaufen oder mieten kann. Mit diesem Video will GM Tkachiev erreichen, dass ehrliche Spieler in Zukunft viel besser geschützt werden, als das im Moment der Fall ist. Er hat hierzu (siehe Artikel bei Chessbase) auch entsprechende konkrete Vorschläge vorgelegt.

Der Betrüger muss bei dieser Methode nicht einmal mehr seinen Platz verlassen und fällt somit kaum auf, außer durch ungewöhnliche Ergebnisse und extrem hohe Übereinstimmungen seiner Züge mit den besten Engine-Zügen (wie bei Methode 1). In der Regel trägt er einen sehr kleinen, von außen nicht sichtbaren Empfänger im Ohr, den man nur mit Handscannern aufspüren kann. Ein großer Durchgangs-Scanner am Eingang würde laut GM Tkachiev diesen Empfänger nicht aufspüren. Über diesen Empfänger erhält er von einem Partner – besser Komplizen – die jeweils besten Engine-Züge übermittelt. Selbst bei freiem Ohr sind diese kleinen Miniempfänger von außen nicht zu sehen. Lange Haare, Hüte, Schals, Tücher usw. können dem Betrüger dabei auch hilfreich sein, hier lassen sich dann auch die ebenfalls benötigten Minikameras verstecken, mit denen die Züge des Betrügers und seines Gegners zum Komplizen übertragen werden.

Wie bei Methode 1 hat der Gegner keine Chance, die Partie zu gewinnen. Häufig geben sich die Betrüger gegen sehr starke Gegner auch mit Remis zufrieden – häufig in für sie deutlich besserer Stellung – damit der Betrug nicht gar so sehr auffällt.

Den „Rückkanal“ kann man auch mit dritten Personen realisieren, welche dem Betrüger die Zugvorschläge durch Zeichen übermitteln, wie es im Fall des französischen GM Feller geschah. Nach den neuesten FIDE-Richtlinien darf nun während laufender Partien (theroetisch!) kein Kontakt mehr zwischen Spielern und Zuschauern, Trainern oder anderen dritten Personen bestehen.

Diese sehr wichtige Richtlinie wurde bisher noch auf keinem Open umgesetzt, erst recht nicht bei Mannschafts- oder Jugendkämpfen!

3. Kaufvereinbarung des Ergebnisses

Ehrgeizige Spieler, Trainer oder Eltern weniger talentierter Jugendlicher lassen sich viel einfallen, um die DWZ/ELO künstlich nach oben zu beeinflussen. Hierzu gehört auch  der direkte Kauf des Partieergebnisses. Laut Wikipedia ist dies sogar die „wohl häufigste, aber nur schwer nachzuweisende Betrugsmethode“. Der Betrüger bietet seinem Gegner für ein Remis oder eine absichtliche Niederlage Geld. Der Gegner spielt dann absichtlich schlecht, der Betrüger bekommt für seinen Sieg oder sein Remis dann ELO-Punkte, welche seine Wertungszahl steigen lassen.

Der bessere Spieler verliert dann zwar etwas ELO, diese bekommt er aber bei normalem Spiel gegen die nächsten Gegner wieder zurück, denn ein einmal erreichtes Level beim Schach wird sich in der Wertungszahl immer wieder korrekt widerspiegeln.

Im Falle des Betrügers ist es so, dass dieser dann in den nächsten Partien auf einige Remisen hofft, die häufig aufgrund der nun höheren Wertungszahl auch gewährt werden, ohne die Partie auszuspielen. Ansonsten muss er seinen Betrug fortsetzen, da seine Wertungszahl durch Niederlagen und schwaches Spielniveau sonst wieder fällt.

Da diese direkte Methode risikobehaftet ist (der Gegner könnte den Betrugsversuch beim Schiedsrichter melden), können Erkennungszeichen benutzt werden, wodurch der Betrüger sehen kann, welcher bessere Spieler zum ELO-Kauf bereit ist.

Für diese Methode sind auch sogenannte Einladungsturniere geeignet, wo nur bestimmte Spieler eingeladen werden, z.B. zur Erzielung von IM- oder GM-Normen. Solche nicht offenen Turniere können gut beeinflusst werden. Teilnehmende Titelträger könnten Geld erhalten, um gegen aufstrebende Jugendliche mit angezogener Handbremse zu spielen, die Jugendlichen müssen in diesem Fall noch nicht einmal etwas von dem Betrug wissen und die Trainer wahren ihr Renommee, um auf künftig von gut zahlenden Verbänden oder Eltern beschäftigt zu werden.

4. Betrug mit besserem Spieler, ohne elektronische Mittel

Eine extrem häufige und ebenfalls relativ risikolose Methode ist die „Beratung“ eines Spielers während einer laufenden Partie. Diese Methode habe ich persönlich schon mehrmals erlebt und auch an anderen Brettern oft beobachtet. Die Methode ist einfach: Ein deutlich besserer Spieler macht dem schlechteren Spieler Zugvorschläge, meist handelt es sich bei den „Beratern“ um Trainer oder „Freunde“. Dies lässt sich vor dem Spielsaal, auf der Toilette oder sogar am Brett leicht realisieren.

Vor dieser Betrugsmethode kann man sich nur durch Kontaktverbot schützen, welches in den neuesten FIDE-Richtlinien eigentlich vorgesehen ist, in der Praxis aber so gut wie nirgends umgesetzt wird.

5. Betrug in Mannschaftskämpfen durch Ergebnisabsprache

Eine weitere Betrugsmethode ist die direkte Ergebnisabsprache vor einem Mannschaftskampf, damit eine Mannschaft nicht absteigt oder Meister und Aufsteiger wird. Sehr typisch hierfür sind die sogenannten „Mannschaftsremisen“, häufig in Gestalt eines 4:4 mit 8 Remisen. Diese Methode wird zwischen den Mannschaftskapitänen vor Partiebeginn vereinbart. Alle Spieler spielen einfach ein paar harmlose Züge ohne Angriffsversuche, dann wird Remis vereinbart.

Diese Methode wird häufig als weniger schlimm angesehen, was nicht korrekt ist! Sie ist genauso Betrug wie die anderen Methoden, hierbei wird Auf- und Abstieg beeinflusst, Konkurrenten werden geschädigt. Noch dazu nimmt man hiermit Jugendlichen die für sie so wichtige Spielpraxis.

6. Betrug in Turnieren (Einzelpartien) durch Ergebnisabsprache

In kleineren Turnieren mit relativ wenigen Teilnehmern ist häufig schon absehbar, wen man in der nächsten Runde als Gegner bekommen wird oder aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man auf einen bestimmten Gegner trifft. Sehr gut geeignet sind hierzu z.B. Vereinsmeisterschaften mit Auswertung.

Der Trainer kann hier z.B. seinen Schützling absichtlich gewinnen lassen und steigert so dessen Wertungszahl. Auch von dieser Methode wird rege Gebrauch gemacht.

Wie man sehen kann, liegt vor den Schachverbänden viel Arbeit, wenn sie die Glaubwürdigkeit des Schachsports noch erhalten wollen. Es darf keine Zeit mehr verloren werden!






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